nac Warten h 40 Jahren Ehe tasächlich noch „Überraschungen“auf einen Partner, wie das neue Kabarett-programm von Norbert Roth und Alice Hoffman alias Walter und Gerda lapidar in Aussicht stellt? Den Beweis hat das Duo mit seinen „Scenen einer Ehe“ auf Einladung der Friesenheimer Karnevalsgesellschaft Eule vor rund 300 Gäs-ten am Samstagabend in der TSG Halle erbracht.


Ihre Feuertaufe als neue Gerda hat Alice Hoffman, bekannt als HIlde an der Seite von Heinz Becker oder als Vanessa Backes in der „Schreinerei Fleischmann“ des SWR souverän bestanden. Und das, obwohl sie tenden-ziell eher als Stichwortgeberin“ für ihren dauerndnörgelnden Gatten fungiert, der im echten Leben auch die Drehbüchere für die Episoden aus einem turbulenten Eheleben schreibt.                                                                                                                                           

Nach jahrelanger Geduld hatte Vorgängerin Ulrike Neradt ihre Interpretation der assistierenden Gerda aufge-geben und Platz für eine Neue an Walters Seite gemacht.Wie schon an der Seite von Heinz verstand es Hoffmann auch als Gattin von Walter, großzügig  Raum für seine ausdrucksstarken Ausbrüche zu lassen und in den passenden Momenten ihrer eigenen unbeholfenen Figur ein Profil zu geben.

Und so kabbeln sich die Beiden über Stützstrümpfe und Rosenkavaliere, über Elefantenohren und Klavierkon-zerte, bis es den Zuschauern Lachtränen in die Augen trieb. Die Dramaturgie ist zwar in ziemlich jeder Szene die gleiche: Missverständise und Schwächen werde solange aufgebauscht, bis der anfangs friedfertige Walter aus der Haut fährt. Aber die jeweilige Situationskomik ist so originell, dass man am Ende brüllen könnte über den Choleriker der sich auch nach vier Jahrzehnten Ehe so schnell aus der mühsam aufgebauten Ruhe bringen lässt. Von seiner Gattin, die es doch nur gut meint und immer noch den falschen, versöhnlichen Ton anschlägt.

            Manche Szene  waren kabarettistisch überspitzt, andere aus dem Leben gegriffen. Etwa, als Walter im Radio einen Hörerwunsch frei hat und vorher Grüße an seine Lieben loswerden möchte. Klar, dass Gerda die-sen Moment auf Band mitschneiden muss, um ihn fürs digitale Familienalbum zu bewahren. Und genau-so klar, dass die heimische Aufnahmetechnik  nicht klappt und die Grußorgie  aus dem Sender peinlich durch-einander-gewirbelt wird. Oder als Walter pardout nicht zugeben will, dass er keinen Schimmer hat von der Bedeutung eines englischen Ausdrucks, der Gerda beschäftigt. Er redet sich um Kopf und Kragen, bis ihn Gerda mit entzückend gespielter Naivität und mit Hilfe des Fremdwörterlexikons auf die richtige Fährte setzt.

                                Dass Roth und Hoffmann Theaterprofis sind, zeigte sich gleich im ersten Bild, als die Ton-technik versagte und er neu verkabelt werden musste. Wie sie diese Panne mit Worten und Gestik überspiel-ten, erzeugte ungeplante Lacher im Publikum.

Roth ist nicht nur SWR4-Hörern als streitbarer Walter bekannt, sondern den Fastnachtern im Lande auch als spitzzüngiger Büttenredner. Und selbst die Saarländerin Alice Hoffmann, wusste nicht nur Oppau von Oggers-heim voneinander zu unterscheiden, sondern den Stadtteil auch noch im besten Pfälzische auszusprechen.

                                Dezent und intelligent wurde der Ehrenvorsitzende der Eule, Willy Foltz und Eule-Senator Frank Golischewski als Begleitmusiker ins Stück eingebaut. Die Szenen überbrückte er mit Chansons oder alten Schlagern. die leiser wurden oder gar ganz verstummten, sobalsd einer der Schauspieler auf der Bühne den Regler am alten Radio bediente. Und dann war Walter auch schon wieder in seinem Element.

Problemlösung VERHEIRATET

Ob sie von ewiger Liebe geprägt ist, ist nicht bekannt, aber durchaus liebevoll ist bestimmt auch die Beziehung zwischen Gerda und Walter. Auch, wenn sich das nach vielen Ehejahren

mitunter auf etwas eigenwillige Weise zeigt. Norbert Roth in der rolle des Cholerikers Walter und Alice Hoffmann als Besserwisserin Gerda an seiner Seite gastierten am Samstagabend auf Einladung der Karnevalsgeselschaft Eule in der TSG Turnhalle in Friesenheim. Da wurde ge-zetert, geschimpft und im Publikum laut gelacht. Wie man auf dem Foto sehen kann , gab es

aber auch einen Moment der zufriedenen Ruhe, in dem der Walter ganz gemütlich die RHEIN-PFALZ las. Die Frau an seiner Seite befasst sich währenddessen nicht ganz so gelassen mit einem Druckerzeugnis aus Mannheim, dem Fremdwörterbuch aus dem Dudenverlag. „Zusammen kommen die beiden dann immer auf eine fast richtige Lösung“ meinte Eule-Mitglied Constanze Kraus, die uns den Schnappschuss geschickt hat